Wenn sie nicht im Feld oder Stall zu tun haben, sitzen im Sommer die Frauen auf den Bänken vor ihren Häusern und stricken. Sie stricken die „echten Schafwollsocken aus Viscri“.

Die alte Tereza brachte das erste Paar Socken zu Maria und Harald – den neu zugezogenen Deutschen in der Kirchgasse  -  um sie gegen Lebensmittel einzutauschen: Mehl, Zucker, eine Flasche Öl. Die Menschen sind arm hier. Es gibt im Dorf gerade mal eine Handvoll Arbeitsplätze mit Sozialversicherung. Man verdient als schlecht bezahlter Tagelöhner in der Landwirtschaft oder am Bau, aber nur dann, wenn es Arbeit gibt, oder an der Milch von einer, zwei, höchstens drei Kühen im Stall.

Daß es bei den Deutschen Lebensmittel gegen Socken gibt,  sprach sich schnell herum. In allen Farben leuchtete der Haufen – damals noch aus aufgetrennten Pullovern gestrickt.  Freunde und Besucher nahmen Socken mit nach Hause, trugen sie selber oder versuchten, sie zu verkaufen. Das war der Beginn der „echten Schafwollsocken aus Viscri“, eines Projektes, an dem heute 60 Frauen und Mädchen beteiligt sind, die Socken, Handschuhe, Mützen, Stirnbänder, Babydecken, auf Bestellung auch Pullover, Filzpantoffeln und –hüte anfertigen. Engagierte Freundinnen und Freunde verkaufen seit vielen Jahren die Socken auf Märkten in Rumänien und Deutschland und verhelfen so den Frauen und Mädchen zu einem kleinen, aber dringend notwendigen Zuverdienst.

Leana